Unternehmerisch-demokratisch-miteinander: erste Mitwelt-Gespräche finden am 25. April 2022 in Frankfurt (Oder)

Am 25. April startet das bbw Bildungszentrum Ostbrandenburg in Frankfurt (Oder) als Träger des BMAS-Projekts „Unternehmerisch-demokratisch-miteinander für Brandenburg“ gemeinsam mit dem Forschungszentrum zenikplus die lokale, kostenlose Gesprächsreihe der Mitwelt-Gespräche. Zukünftig werden sich auf lokaler Ebene Vertreter*innen von Wirtschaft sowie Gesellschaft, Politik und Bildung zu Vorträgen, Workshops und Austausch treffen, um gemeinsam über die Rolle der Unternehmen und der mit und in ihnen agierenden Menschen in Brandenburg zu diskutieren und deren demokratische Verantwortung und Einflussmöglichkeiten für eine gute Zukunft sichtbarer zumachen.

Unternehmen sehen sich zunehmend mit den Auswirkungen eines gesellschaftlichen Wandels konfrontiert, der unterschiedliche Wert- und Lebensvorstellungen fördert und in dem Arbeit und Privatleben immer stärker ineinandergreifen. Gleichzeitig führen aktuelle demografische Entwicklungen zu Fachkräftemangel und erhöhtem Konkurrenzdruck. Arbeitnehmer:innen lassen in ihre Jobentscheidung vermehrt persönliche Bedürfnisse und Werte einfließen, was auch kleine und mittlere Unternehmen dazu veranlasst, eine Unternehmenskultur aufzubauen, die es ermöglicht, diese unterschiedlichen Interessen zu vereinen. Doch neben Arbeitgeber*innenattraktivität und Mitarbeiter:innenzufriedenheit bringt eine demokratische Unternehmenskultur, die auf Diversität ausgerichtet ist, auch weitere positive Aspekte mit sich. Internationale Studien haben u. a.  herausgefunden, dass sich dadurch die Profitabilität um mehr als 20 % erhöhen kann (vgl. Hunt et al 2018 „Delivering through Diversity“/ vgl. Frazier et al. 2017 „Psychological safety: A meta‐analytic review and extension“).

Betriebliche Demokratie, Diversität, soziales Lernen und zivilgesellschaftliches Engagement

In einer Gesprächsreihe möchten wir uns mit Vertreter:innen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Bildung darüber austauschen, wie Demokratiekompetenz in Brandenburger Unternehmen nutzbringend eingesetzt werden kann, um die Kommunikation zu stärken, dadurch Konflikten vorzubeugen und ein effizienteres Arbeiten zu ermöglichen. Weiterhin sprechen wir über die Nutzung von Vielfalt als Quelle von Innovation und Kreativität für die Herausforderungen der Gegenwart. Darüber hinaus möchten wir soziales Lernen als stärkendes Element für die Beziehung der Mitarbeiter*innen untereinander thematisieren. Aus den Gesprächen sollen Bedarfe der lokalen Wirtschaft ermittelt werden. In einem zweiten Schritt sollen im Rahmen des BMAS-Projekts „Unternehmerisch-demokratisch-miteinander für Brandenburg“ Seminare für kleine und mittlere Unternehmen angeboten werden, um demokratische Strukturen in hiesigen Betrieben zu stärken, Vielfalt als Ressource zu erkennen und zu nutzen. Weiterhin sollen Unternehmen für die Berichtspflicht zur Nachhaltigkeit laut CSRD ab 2023 befähigt werden.

Auftaktveranstaltung bei der IHK Frankfurt/ O. mit namhaften Fachleuten und Persönlichkeiten

Den Auftakt der Reihe bildet eine Veranstaltung am 25. April 2022 von 9 bis 16 Uhr in den Räumen der IHK Frankfurt (Oder), wo wir lokale Unternehmen einladen, sich über die Projektthemen zu informieren und sich damit in unterschiedlichen Workshops vertraut zu machen. "Gefestigte demokratische Betriebsstrukturen sind ein unbedingter Standortvorteil für Brandenburger Unternehmen", meint dazu Alexander Schirp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Brandenburg (UVB) sowie Referent am 25. April, und ergänzt: "Wir von den Unternehmensverbänden empfehlen daher die Teilnahme an Unternehmerisch–Demokratisch–Miteinander". Für das ganztägige Programm mit Vorträgen und Workshops zu den unterschiedlichsten Themen konnten weitere namhafte Fachleute und Persönlichkeiten gewonnen werden. So beispielsweise die bekannte Gründerin der in Brandenburg aktiven Berliner Tafel, Sabine Werth, ebenso wie Ulrich Temps, Chef des gleichnamigen bundesweit agierenden Malereibetriebs und Regionalbotschafter des bundesweiten Netzwerks „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“, der über seine Erfahrungen zu diesem Thema sprechen wird. "Wirtschaftlicher Erfolg und demokratische Kompetenzen sind zukünftig nicht trennbar, das wollen wir in dieser Veranstaltung und vorrangig in den Workshops vermitteln", so Thoralf Buller, Professor für Unternehmensführung an der bbw Hochschule, der auch auf der Veranstaltung sprechen wird. Unterstützt wird der Tag durch die Stadt Frankfurt, deren Bürgermeister Claus Junghanns ein Grußwort an die Teilnehmer*innen richten wird.  

Die Teilnahme ist kostenlos. Teilnehmen kann jedes Unternehmen aus Frankfurt (Oder) und Region. Die Anmeldung ist ab sofort über Thomas Spicker (bbw Ostbrandenburg) möglich.

Programm als PDF

Die Mitwelt-Gespräche – eine Einführung

Die Mitwelt[1]-Gespräche – Nachhaltigkeitsgespräche auf lokaler Ebene

Vision

Menschen machen Kommunikation! Wir wollen mit einer möglichst vielen Teilnehmer*innen der Gesellschaft ins Gespräch kommen über nachhaltige Themen, die Akteur*innen miteinander vernetzen – und klarmachen, dass wir alle Teile sowie Mitgestalter*innen unserer Welt sind. Wir entwickeln gemeinsam Gesellschaft und Mitwelt aus eigener Kraft. Und wir wollen gehört werden.

Ziel

zenikplus beabsichtigt, zukünftig regional und lokal Gesprächsreihen auf wissenschaftlicher Basis zu Nachhaltigkeits- und Mitweltthemen zu initiieren und dabei die Menschen, das Machen und die Kommunikation in den Fokus zu rücken. Dazu sollen regionale Stakeholder*innen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Bildung in regelmäßigen Veranstaltungen gemeinsam über die kompetente Rolle des Menschen in der Region diskutieren und über dessen Verantwortung und Einflussmöglichkeiten, wobei ganz bewusst auf die Chancen der Serependity[2] gesetzt wird. zenikplus will dabei als wissenschaftlich versiertes, glaubwürdiges Center und Link zwischen Akademia und Öffentlichkeit in der Region wahrgenommen werden. Adressiert wird die Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene sowie die Stärkung und Mobilisierung der Jugend. Weiterbildung von Führungskräften und Mitarbeiter*innen adressiert das Handlungsfeld Kompetenzentwicklung von Lehrenden als Coaches. Das Handlungsfeld Ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen wird durch Kooperation mit nachhaltig agierenden Organisationen tangiert.

Erste strategische Ansätze für eine regionale Modellierung

Mitwelt-Gespräche als Mitmachwelt und Gesprächsreihe positioniert sich als regionales beziehungsweise lokales Projekt mit wissenschaftlichem Anspruch zum Aufbau demokratischer Kompetenzen[3]. Aus dieser Positionierung werden aktuell Kooperationen und Modellveranstaltungen in diesem Rahmen initiiert. Zu den Unterstützer*innen der Mitwelt-Gespräche zählen beispielsweise myclimate, Berliner Tafel sowie bbw Ostbrandenburg. Die Pilotveranstaltung wird am 25. April 2022 in der IHK Frankfurt (Oder) stattfinden.

Umsetzungsidee

Die Gesprächsreihen sind als Mischung aus Diskurs und Vortrag vorgesehen. Diese sollen sich inhaltlich mit den ökologischen Schlüsselbereichen auseinandersetzen und gleichzeitig den sozialen Kontext berücksichtigen.

Die Veranstaltungen beginnen mit Vorträgen, welche Grundlagen und Anwendung vorstellen. Hierbei soll das niedrigschwellige Format Soapbox Science[6] eingesetzt werden. Anschließend begeben sich die Teilnehmer*innen in ein Forum und schlagen als Themenpat*innen Themen vor, denen sich anschließend in Workshops des Barcamps[7] gewidmet wird. Dort tauschen sich die Teilnehmer*innen zu ihren Themen aus und verfassen kurze Forderungenpapiere.

Abschließend treffen sich sämtliche Teilnehmer*innen wieder im Forum. Dort werden die Ergebnisse kurz vorgestellt. Die Teilnehmer*innen schlagen selbst vor, wie mit den Ergebnissen umzugehen ist und reichen diese gegebenenfalls an relevante Stakeholder*innen weiter.

Der Kernprozess[8] gestaltet sich dabei wie folgt:

- Problem neutral vorstellen,
- Positionen austauschen und verstehen,
- Probleme bearbeiten und bestenfalls sogar lösen,
- Meinungen erfassen und bilden.

Prozessualer Sinnbegleiter Epikurs Garten

Mitwelt kooperiert mit Epikurs Garten[9], einem neuen österreichischen Projekt von Thomas Mohrs, einem der Macher*innen des Gastrosophicums[10], das an Ideen wie Land schafft Leben[11] oder fairleben[12] anknüpft. Das Projekt wird mit einem „bottom up“-Ansatz möglichst viele lokale Netzwerkpunkte schaffen, indem an geeigneten Orten open spaces, Orte der Begegnung, der gemeinsamen Praxis, des gemeinsamen Erlebens und des Philosophierens eingerichtet werden. Anders gesagt: Eher „graswurzelig“ in Gemeinden miteinander aktiv werden und die Leute zusammenbringen, informieren, mit ihnen praktisch arbeiten und sie so zum Nachdenken und zum Überdenken der eigenen Lebenspraxis animieren. Im Kern steht dabei die Idee der guten, verantwortungsvollen und gerechten Ernährung.

Was bedeutet dies praktisch? Es soll begleitend zur Veranstaltung gemeinsam Nahrung vorbereitet, zubereitet und gegessen werden. Hier wird das Gespräch mit der praktischen Handlung verbunden, hier wird das haptische Verständnis als Kulturbasis genutzt.


[1] "Mitwelt" begreift sich als Green Think Tank. "Green" steht dabei für sämtliche Themenfelder, die ökologische Relevanz besitzen und auf die Mitwelt bei der Meinungsbildung Einfluss nimmt.

[2] Eine leicht verständliche Hinführung zum Thema bietet die Universität Basel an unter https://www.unibas.ch/de/Aktuell/Uni-Nova/Uni-Nova-115/Uni-Nova-115-Kolumne.html

[3] vgl. Himmelmann 2005

[4] vgl. Denkhaus et al. 2021

[5] vgl. Schumacher et al. 2021

[6] "Es geht darum, Wissenschaftler*innen und ihre Forschung für die Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Den Macher*innen ist aber auch daran gelegen, Begeisterung für Forschung und Wissenschaft bei den Passant*innen zu wecken." (https://www.wissenschaftskommunikation.de/format/soapbox-science/)

[7] "Ein Barcamp ist ein partizipatives Veranstaltungsformat, das in den letzten Jahren auch Jugendliche immer stärker für sich entdeckt haben. Man könnte sagen: Ein Barcamp ist eine Konferenz, ohne eine Konferenz zu sein. Es wird deshalb auch Unkonferenz oder Ad-hoc-Nicht-Konferenz genannt. [...] Bei Barcamps treffen sich alle Teilnehmenden zu Beginn in einem großen Plenum und stellen sich und ihre Session-Ideen vor. Hier werden Ablauf und Inhalte der weiteren Veranstaltung festgelegt. Was in den Sessions passiert, liegt ganz an den Teilnehmenden: Diskussionen, Workshops, Präsentationen, Kreativitätsübungen – alles ist möglich." (https://jugend.beteiligen.jetzt/wissen-qualifizierung/glossar/barcamp)

[8] vgl. Schumacher et al. 2021

[9] vgl.Kolmer, Mohrs und Birn 2021

[10] gastrosophicum-austria.netlify.app/

[11] www.landschafftleben.at/

[12] www.fairleben.at/

[13] www.zenikplus.de